Hallo Zusammen, der Blaubär stellt sich mal vor

04.03.2017 11:04
#1
cp

Hallo Zusammen,

wie mein Nickname schon vermuten lässt, habe ich eine Affinität mit Bären. Und ein wenig vom Wesen eines Bären habe ich wohl auch. Groß, manchmal brummig, manchmal stark, manchmal grantig, manchmal kuschlig... Na, ich will Euch nicht langweilen.

Am vergangenen Dienstag bin ich 47 Jahre alt geworden. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder (Sohn BJ 2008, Tochter BJ 2010 und Sohn BJ 2012) bis zum Ausbruch meiner Erkrankung war ich als IT Manager für ein mittelständisches Unternehmen tätig. Ich habe für meine Arbeit buchstäblich gebrannt, 50 bis 60 Stunden pro Woche, Nacht- und Wochenend-Einsätze, alles kein Thema, weil es machte ja Spaß.

Dann kamen unsere Kinder in recht kurzer Reihenfolge und mit meinen 38 Jahren war ich auch nicht gerade ein ganz junger "Erstvater" Über die Diskussion über meine Elternzeit (ich war der erste Mann im Unternehmen, knapp 300 Beschäftigte, der Elternzeit machen wollte) hat das eh nie wirklich gute Verhältnis zu meinem Chef kurz und knapp zerstört.

In 2013 haben wir dann nach langem Suchen unser eigenes Haus gefunden. Da war dann ein ausgeprägter Dreiklang von Belastungen da. Zwei berufstätige Eltern (meine Frau ist Oberärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe) kümmern sich um drei kleine Kinder und koordinieren nebenher noch den Umbau Ihres Hauses. Das war dann irgendwann zumindest für mich zu viel.

Ende 2014 merkte ich, dass ich immer weniger auf der Arbeit erledigt bekam, Entscheidungen fielen mir immer schwerer, bis sie dann irgendwann ganz unmöglich wurden. Dieser Zustand eskalierte weiter und weiter, bis ich dann wirklich nur noch acht Stunden am Tag mit wachsender Panik am Schreibtisch gesessen habe und am Ende des Tages gar nichts erledigt hatte, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welches von den 150 offenen Tickets ich denn als nächstes bearbeiten sollte. Ich habe nicht mehr geschlafen, und habe mich morgens beim Gedanken an meine Arbeit, die ich vorher wirklich geliebt habe, habe ich mich übergeben.

Irgendwie habe ich mich dann noch ein paar Monate zur Arbeit geschleppt und im Mai 2015 (passend zum Hochzeitstag) kam dann der endgültige Zusammenbruch. Glücklicherwese kooperiert mein Arbeitgeber mit einem EAP Anbieter, so dass ich einen Tag nach meinem Zusammenbruch mein erstes Gespräch bei meiner Therapeutin bekam.

Da stand dann sehr schnell die Diagnose "Erschöpfungsdiagnose" fest.

Vom niedergelassenen Psychiater wurde der ganze Spaß dann mit ständig steigenden Dosen von Sertralin therapiert. Bis ich dann schließlich mit 200 mg am Tag ohne weitere Medikation lief.

Im Herbst ging es mir dann irgendwann besser, so dass wir auch wieder mit einer Wiedereingliederung begonnen haben,

Das lief dann alles auch richtig schön rund, es war wieder Energie da, nachdem ich vorher sechs Monate lang mehr oder minder komplett antrieblos war.

Im Rückblick hätte es mir schon auffallen können, dass es nicht in Ordnung ist, wenn man fast drei Wochen lang durcharbeitet, gar nicht mehr schläft und kein bisschen Erschöpfung oder Müdigkeit dabei erfährt.

Von den zahlreichen Ideen, von denen ich meinte, damit doch zumindest die IT-Welt, wenn nicht sogar die ganze Welt revolutionieren zu können glaubte, will ich erst gar nicht reden.

Ich habe an einem Abend ein komplettes Monatsgehalt für Elektronikzubehör für den Informatikunterricht in der Schule meines Sohnes rausgehauen.

Und es kamen immer mehr Ideen und sie kamen immer schneller. Schließlich schlugen die Gedankenblitze fast im Sekundentakt ein, was im Rückblick ganz gut war, denn so konnte ich von dem ganzen Blödsinn auch nichts realisieren.

Irgendwann kam mir die Geschichte dann doch auch selber seltsam vor, nachdem ich die besorgten Fragen meiner Frau immer, "Schatz, mach Dir keine Gedanken, mir gehts klasse!" abgetan hatte, wieso üblich kam die Einsicht, dass man vielleicht doch mal einen Arzt aufsuchen sollte an einem Freitag Abend

Am Samstag Morgen hatte ich dann telefonischen Kontakt mit dem Arzt vom Dienst einer Einrichtung rund 100 km von meinem Heimatort. Da kam dann als Antwort "Nehmen Sie es mir bitte nicht böse, aber Sie erzählen mir eine schöne Geschichte, die Symptome, die Sie beschreiben, stammen von einer satten Manie, aber die ruhige und selbstreflektierte Art und Weise, wie Sie Ihren Zustand schildern, passt überhaupt nicht dazu, daher glaube ich Ihnen nicht. Wenn Sie mir keine Geschichte erzählen und das der Wirklichkeit entspricht, haben Sie ein sehr ernstes Problem und sollten schleunigst in der nächsten psychiatrischen Klinik vorstellig werden" Am Samstag Nachmittag bin ich dann zur Filiale des gleichen Klinikverbands in die nächste größere Stadt rund 15 km entfernt gefahren. Ich war so redebedürftig, dass ich eine Twitter Bekannte gebeten habe, dass Sie doch bitte einfach mit mir telefonieren sollte. Solange wie ich geredet habe, konnte ich meinen Kopf zusammenhalten. Leider konnte man mir lediglich ein Bett auf einer geschlossenen Abteilung anbieten, so dass ich dann wieder nach Hause gefahren bin.

Die Symptome wurden dann im Laufe des Sonntags immer schlimmer, so dass ich mich am Sonntag abend dann mit dem Rettungswagen zur nächstgelegenen Klinik habe bringen lassen und mich dann freiwillig auf der geschlossenen Abteilung habe einweisen lassen.

An die erste Woche auf der geschlossenen Abteilung habe ich nur sehr unscharfe und wahrscheinlich auch falsche Erinnerungen. Da hat man mich sicherlich ziemlich heftig abgeschossen. Danach schlossen sich dann rund sechs Wochen auf einer subakuten Station an, wo ich dann nach und nach wieder zu einem halbwegs normalen Menschen gemacht worden bin.

Nach rund sechs Wochen in der teilstationären Behandlung hatte dann der erneute Absturz in die nächste Depression begonnen, die mich dann fast fünf Monate in die Klinik und an die Grenze des Selbstmords geführt hat.

Nur der Gedanke, dass ich mich nicht feige aus der Verantwortung für meine drei Kinder stellen möchte, hat mich davon abgehalten, aus dem geöffneten Fenster im vierten Stock zu springen. So gesehen, verdanke ich meinen Kindern mein Leben.

Ende Juli 2016 wurde ich dann wieder entlassen und Ende September 2016 kamen dann noch einmal fünf Wochen Reha Klinik in rund 400 Kilometer Entfernung.

Mitte November 2016 habe ich dann meine zweite Wiedereingliederung gestartet. Diesmal unter sehr strikter Kontrolle, denn meine Arbeitgeber waren inzwischen anscheinden doch ein wenig sensibilisiert für das Thema, weil ich dann auch einen meiner Arbeitskollegen in der Klinik getroffen habe.

Zum Ende 2016 war die Wiedereingliederung durch und ich habe am 09.01.2017 wieder regulär mit meiner Vollzeit-Arbeit begonnen. Das hat dann leider noch nicht einmal für drei Wochen geklappt, denn seit dem 27.01.2017 befinde ich mit einer erneute hypomanen Auslenkung in stationärer Behandlung.

Nun wurde die Medikation auf 2.500 mg retardierte Valproinsäure geändert. Das hat ganz gut angeschlagen, und ich hoffe, dass es den nächsten Absturz vielleicht nicht oder wenigstens nicht so ausgeprägt geben wird.

Viele Grüße aus dem Rheinland

CptBlaubär


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04.03.2017 15:22
avatar  UFO
#2
avatar
UFO

Hallo Blaubär,

shön dich hier zu lesen.
Ich werde mir deinen ausführlichen Beitrag später durchlesen.

Erstmal Willkommen.

ganz lieben Gruß
UFO

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13.12.2017 22:43
#3
Po

Hey Captain 8-)

Interessanter Beitrag - wie geht es Dir heute?
Da ich ein paar Parallelen zu mir selbst erkenne - wie läuft Dein Beziehungsleben? Ich frage deshalb, weil ich nicht weiss ob meine - sich wiederholenden - Beziehungsprobleme etwas mit meiner vermeintlichen Bipolarität zu tun haben oder das möglicherweise noch einen zweite Baustelle ist...

Schöne Grüsse

Polarstern


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