Hallo zusammen

05.11.2016 13:33 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2016 23:15)
#1
Th

Hallo alle,

ich möchte mich vorstellen und etwas zu meiner Geschichte erzählen.
Ich heiße Theresa, bin 25 und Juristin. Im Moment geht es mir gar nicht gut. Ich hatte ein paar ziemlich wilde Jahre und irgendwie scheint das mein Ding zu sein,irgendetwas ist eigentlich immer. Es fing an mit vierzehn mit Ritzen, mit fünfzehn Magersucht, die ist einigermaßen ausgelevelt mittlerweile und bereitet mir nicht mehr viele Probleme, ich esse genug und habe Normalgewicht. Meine Familie ist einigermaßen kaputt und ich bin seit zehn Jahren immer wieder in Therapie. Aber irgendwie hilft nichts. Es geht mir immer wieder eine Weile besser und dann kommt der Absturz. Und auch das Bessergehen ist nicht so richtig normal, dann ist alles zu perfekt, ich bin zu schnell, mache zu viele Pläne. Ich habe keine Diagnose als bipolar, aber ich habe mittlerweile den Eindruck, dass meine Probleme nichts mehr zu tun haben mit meiner Vergangenheit, oder zumindest nicht allzu viel. Mein Leben gefällt mir eigentlich, aber ich bin nie ruhig, nie entspannt, entweder bin ich ganz unten oder ganz oben, ich habe Phasen in denen ich kaum schlafe und tausend Pläne mache und das ist total anstrengend, sodass ich dann irgendwelche Medikamente schlucke, um mich herunterzuholen, weil ich mein Leben einfach irgendwie nicht ertrage und ich nehme mir das selbst total übel, weil ich es nicht verstehe und denke, es sollte mir gut gehen. Aber nichts hilft, einfach gar nichts und es wird immer nur noch schlimmer und die Phasen werden intensiver. Ich habe nächste Woche einen Termin bei einer psychiatrischen Klinik und ich hoffe so sehr, dass die mir sagen können, was mit mir nicht stimmt, weil ich wieder wie mit fünfzehn bin, ich ritze wieder jeden Tag und weiß einfach nicht, wie ich dort gelandet bin und ich erzähle fremden Leuten viel zu viel von mir, da ist einfach diese unerträgliche Leere in mir, die macht, dass ich immer total ausraste, um irgendwas zu fühlen und dann wache ich am nächsten Tag auf und will mich nur noch verkriechen, weil ich denke, ich kann mich bei diesen Menschen nie wieder blicken lassen. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich noch tun soll nach vier Gesprächstherapien, einer Psychoanalyse und einem stationären Aufenthalt. Ich schäme mich dafür, so zu sein, und will irgendwie nur noch, dass jemand das aus mir herausholt, damit ich endlich ruhig werde und wieder richtig arbeiten kann, denn meine Arbeit erfordert eigentlich, dass ich irgendwie bei Sinnen bin, aber ich spinne total und bin echt nicht mehr normal und niemand nimmt mich richtig ernst. Ich fühle mich füchterlich alleine damit und hoffe, dass ich hier vielleicht einfach durch den Austausch ein bisschen Hilfe finden kann.


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11.11.2016 23:14
avatar  Bipolar
#2
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Administrator

@Theresa1991

Hallo Theresa! Willkommen hier bei uns im Forum.

Ich hab mir deinen Beitrag erst dreimal durchgelesen damit ich mir dich ein bisschen vorstellen kann.

Ein Satz ist mir sehr aufgefallen den du geschrieben hast: weil ich wieder wie mit fünfzehn bin

Ich glaube da ist die Lösung irgendwo versteckt, in deinem 15. Lebensjahr. Ist damals etwas schlimmes passiert oder so? Die herkömmlichen Therapien scheinen dir nicht zu helfen, ich denke das erst bei dir wenn es so ist, diagnostiziert werden sollte ob du Bipolar bist oder nicht, doch ich hab das Gefühl bekommen das es so ist bei dir. Ich bin kein Arzt oder Psychologe doch auch bei mir ist es nicht diagnostiziert, festgestellt hab ich es erst vor etwa eineinhalb Jahren bei mir. Wie bist du darauf gekommen? Auch so wie ich indem du darüber gelesen hast? Du hattest deinen Beitrag am 5. November geschrieben, dann warst du nun bei der Psychiatrischen Klinik? Was kam dabei raus? Was haben die gesagt?


Du schreibst: Ich schäme mich dafür, so zu sein, und will irgendwie nur noch, dass jemand das aus mir herausholt,

Du brauchst dir vor garniemandem zu schämen! Du hast dir das nicht ausgesucht und du willst das alles ja auch nicht. Doch da du so verzeiweifelt schreiben tust und dich so allein fühlen tust biete ich dir hiermit ein Gespräch an mit mir, es kostet dich deine Telefongebühren und vielleicht fühlst du dich danach etwas besser. Ich sende dir meine Nummer mit einer Privaten Nachricht hier im Forum zu, doch schreibe uns dennoch was mit dir nun ist, wie du dich fühlst. Wir sind gespannt auf das Ergebniss bei der Klinik.

Herzlich
Emin


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12.11.2016 04:56
avatar  Manu33
#3
Ma

Guten Morgen an alle im Forum und natürlich dich Theresa,

wenn ich deinen Text durchlese müsste ich nur meinen Namen anstelle deines setzten und den Beruf zu Sachbearbeiter im Büro ändern, dann könnte der Text von mir sein
Ich nutze das jetzt hier um mich auch mal vorzustellen da ich das noch nicht getan habe. Also ich bin der Manuel 25 Jahre alt und bin seit 2009 offiziell an einer affektiven bipolaren Persönlichkeitsstörung erkrankt. Wenn ich zurückblicke auch auf meine Kindheit war ich schon immer manchmal sehr verschlossen und dann wieder extrem kommunikativ so das dies auch anderen Menschen in meinem Umfeld aufgefallen ist. Aber in jungen Jahren war das bei weitem nicht so ausgeprägt wie dann die ersten Manien und Depressionen zwischen 18-20! Wie du auch schön beschreibst mache ich Pläne über Pläne von denen ich nur einen Bruchteil in die Tat umsetzte da in meinem Kopf einer nach dem anderem reinfliegt. Diese unbeschreibliche Freude die ich empfinde geht aber auch einher mit einer starken Wut auf alles was mit mir in Verbindung steht. Wenn diese Phasen enden meist durch einen unfreiwillligen Klinikaufenthalt (7 Stück bis jetzt) schäme ich mich für mich selbst und alles was ich gesagt und getan habe. Nur um ein Beispiel zu nennen hab ich 2014 in der Manie obwohl ich einen Firmenwagen hatte mir einen schnellen BMW gekauft und damit völligst betrunken einen schweren Unfall gebaut. Aufgrund dessen kann eine Frau die ich auch noch persönlich kenne nie wieder richtig laufen! Alle Menschen die mich gut kennen sagen von mir ich bin ein liebenswürdiger intelligenter junger Mann und niemand kann verstehen wie solche Dinge passieren könnnen. Ich selbst kann es auch nicht verstehen. Meine Freundin die mich seit 2013 begleitet hat und sehr viel Verständnis für alles hatte hat mich Anfang diesen Jahres verlassen da ich sie 3 mal betrogen hatte in manischen Phasen, was ich ihr sobald ich wieder am Boden war gestanden habe. Ich nehme seit 2010 Lithiumcarbonat ( Quillonum, Quilonorm wie sie es auch immer nennen Generika...) und habe es 2 mal in hypomanen Phasen abgesetzt was die heftigsten Manien hervorgerufen hat. Man muss auch dazu sagen das ich in solchen Phasen immer psychoaktive Substanzen jeglicher Art konsumiert hab (Alc, THC, MDMA, LSD, 2CB............). Momentan gehts mir ähnlich wenn nicht genau wie dir. Ich habe eine Unzahl an Medikamenten ausprobiert und bin beim Lithium geblieben doch auch dieses lässt bei mir Phasen nicht ganz aus es schwächt sie aber definitiv ab. Ob ich jemals ein ganz "normales" Leben führen kann weiß ich auch nicht. Halte dich an die Menschen denen wirklich was an dir liegt! Auch wenn ich gerade in einer sehr dunklen Phase stecke, wenn du mit jemandem reden willst schicke ich dir meine Nummer. Es ist nicht "einfach" zu aktzeptieren wie wir sind aber ein guter Anfang!

Im Anhang hab ich mal ein Bild von meinem Unfall...

Ganz herzliche liebe Grüße Manu|addpics|bth-1-9f6d.jpg|/addpics|


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08.12.2016 12:57
#4
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Liebe Theresa,
Ich denke Deine eigene Diagnose ist sehr gut. Bei mir hat das ganze nach einigen Todesfällen (Vater, Onkel, 2 Tanten, Patenonkel) in kurzen Abständen 2014 angefangen. Bin dann lange nicht zum Arzt gegangen. Bis ich dann wirkich am Ende war. Diagnose meines Hausarzes war zunächst eine schwere Depression. Als Behandlung hat er zwei Alternativen vorgeschlagen. Medikamente (SSRI) + Sport oder Medikamente + Psyotherapie. Ich habe Plan A gewählt. Hatte aber immer wieder schwere Rückfälle. Der Hausarzt hat mich dann doch dieses Jahr überredet zum Facharzt (Psychiater + Neurologe) zu gehen. Dessen Diagnose war dann die bipolare Störung. Seit Ende November nehme ich jetzt weitere Medikamente und es geht mir gut. Die Beipackzettel aller meiner Medikamente sollte man nicht lesen. 😀 Also meine Empfehlung wäre zunächst zu einem Facharzt zu gehen der Psychiater und gleichzeitig Neurologe ist.
Schöne Grüße
Thomas


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23.02.2017 15:01 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2017 15:32)
avatar  UFO
#5
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UFO

Hallo Theresa,

Ritzen und Magersucht sind oft Ausdruck tiefer, depressiver Zustände.
Aber das weißt du ja sicher schon.
Zudem wird eine Bipolar-Affektive-Störung oft erst im Verlauf gestellt, bzw. erkannt.
Sie versteckt sich gerne hinter anderen Symptomen/Erkrankungen oder der Klient verschleiert oder verheimlicht teilweise sein Verhalten und Denken, bzw. seine Gedankeninhalte und die dazu gekoppelten Emotionen.
Wer will sich schon seine "gute Laune" wegnehmen lassen...?
Und da spreche ich aus reichlicher Eigenerfahrung.

Auch mir war es vergönnt reichlich Erfahrungen mit meiner Uneinsichtigkeit zu sammeln.
Unsichere Einnahme der verordneten Medikament, unregelmäßiger Schlaf - Wachrythmus, "Gras" und "C2", Verschweigen beim Arzt usw. etc. pp. ...
Das Resultat war immer das gleiche: Destabilisierung und Absturz in eine depressive Phase.
Nach dem Höhenflug kommt immer der Absturz.
Scheinbar bin ich manchmal süchtig nach Depressionen .

Nach etlichen Phasen habe ich mich nun durchgerungen mir Gutes zu tun.
Ich versuche einen regelmäßigen Lebensrhytmus zu pflegen - ich meine wirklich Pflegen!
Da ich Nachtmensch und Spätaufsteher bin, quasie eine Eule, gehe ich eben erst gegen 1-2 Uhr zu Bett und schlafe dann bis 10.00 oder 12:00 Uhr.
Meinen Minijob habe ich auch nach diesen Kritrien gesucht.
Wenn es vermeidbar ist, nehme ich keine Termine vor mittag an - klappt ganz gut.
Mein Umfeld hat es auch langsam begriffen, meine Familie, die Nachbarn und sogar meine Psychiaterin... (kl. Scherz)

Weitere Stabilisierung habe ich dadurch erreicht, nicht jedem erklären zu wollen was mit mir los ist.
Wenn ich gefragt werde was mit mir so los ist, sage ich einfach, ich habe eine Stoffwechselerkrankung.
Was auch zum Teil offensichtlich, bzw. messbar stimmt, da ich mir mit Fertignahrungsmitteln und Jodsalz einen "Hashimoto" angefuttert habe ... echt toll.

Ein Faktor ist also mein Lebenswandel.
Es bedurfte einer akuten, psychiotischen Phase mit Einweisung und geschlossener Station, um mich endlich mal auf mich zu besinnen und die sich mir bietende Hilfe anzunehmen.
Auch hier musste ich mich natürlich erst ausprobieren und austesten, ob und wie ich mich "durchschummeln" konnte.
Hin und wieder ein kl. "Tütchen" (aus Eigenanbau ) oder auch das "gelegentliche" "Bierchen" sollten schon drinn sein .... Alles Kappes!

Ein anderer, meiner Ansicht nach viel wichtigerer Faktor, ist allerdings meine Medikation.
Ich lasse störende und destabilisierende Drogen weg (so es geht) und nehme regelmäßig meine zielführenden Drogen - sprich Medikamente.
Diese müssen natürlich nach den Gegebenheiten angepasst oder optimiert werden.
Eine regelmäßige (ehrliche!) Rücksprache mit meiner Ärztin ist hierzu natürlich erste Priorität.
Mein, wie es so schön in Psychosprache heißt, - "Setting" - ist derzeit ausreichend und akzeptabel für mich ...
Ich bin also (derzeit) "Compliant" zu meiner Bipolaren Störung.

Hierzu führte ein Faktor, der vielleicht der wichtigste ist: Mein vertrauensvolles Behandlungsverhältnis zu meiner (neuen) Psychiaterin.

Es war nicht leicht für mich, mich nach Jahrzehnten von meinem alten Psych. zu verabschieden und einen neuen, für mich passenden, zu finden.
Der Zufall spielte hier eine entscheidende Rolle.
Durch eine Psychiose und die Behandlung in einer Klinik, wurde ich, nach der Entlassung, in der angegliederten, psychiatrischen Institutsambulanz weiter behandelt.
Ich fand Vertrauen zu einer dortigen Ärztin, die mich nun weiter betreut und hatte so die elegante Gelegenheit mich von meinem alten Doc., der langsam sehr kauzig wurde, zu trennen, ohne "auf der Straße" zu stehen.

Besonders praktisch ist, das ich die dortige Ergo mitnutzen kann ohne immer zum Arzt rennen zu müssen, um mir ein neue Rezept austellen zu lassen.
Die Ergo stabilisiert mich zusätzlich.
Kann ich nur empfehlen.
Ich kann mal aus dem Kopf kommen und mich handwerklich betätigen, ohne mir das ganze Zeugs kaufen zu müssen.
Alles "auf Kasse".

Ein weiterer, wichtiger Faktor für mich, ist der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe in meiner Nähe.
Zuerst war ich Besucher, später dann auch Mit/Leitung bzw. Kontaktperson zur Kontaktstelle, für Bewerber und Außenkontakte z.B. zu anderen Gruppen oder Organisationen.

Du siehst, Hilfe ist vielschichtig möglich und auch ratsam.

An erster Stelle steht aber die Krankheitseinsicht und die "Compliant".

Ohne wird es für mich immer weiter eine "Achterbahn der Emotionen und Katastrophen" werden.
Eine Garantie gibt es natürlich nicht.
Aber, ich behaupte, ich kann mein derzeitiges Leben so weiter leben ohne etwas gravierendes zu vermissen.
Und damit es so bleibt, tu ich das, was in meiner Macht steht.

Is besser so

ganz lieben Gruß
UFO

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