hi @ all

11.12.2017 23:16
#1
ba

Hallo, ich bin bastisbaby, Angehörige eines bipolar erkrankten Mannes, der derzeit in der Klinik stationär ist.
Ich habe mich, wie wahrscheinlich viele Angehörige in die Thematik relativ gut eingelesen, recherchiert, versucht Ansätze zu finden. Zum Schluss war es leider nur sehr schwer, da meinem Partner die Konsequenz für sich selbst fehlt und damit eine gewisse tägliche Routine nicht gewährleistet werden könnte. Er leidet unter rapid cycling. Es wird erst jetzt untersucht, wie stark dies ausgeprägt ist.
Seine Diagnose erhielt er schon vor einigen Jahren, der Zusammenbruch kam aber erst vor circa 3-4 Jahren. Ich bin mit ihm jetzt 1,5 Jahre zusammen. Flucht in Alkohol, vor allem wenn depressive Phasen kamen, haben ihn in die Sucht getrieben. Toitoitoi ist er jetzt seit Mai clean. Aber erst nachdem die Diagnose für seine Leber verheerend ausgefallen ist. So schlimm das war, so froh bin ich, denn sonst wären wir nicht mehr zusammen - das erste Jahr habe ich ihn 6 mal zum Entzug gefahren.
Ich muss zugeben, dass ich mit der Medikation nicht immer einverstanden bin. Ich weiß, dass ich keine Ärztin bin, aber ich kann lesen und habe genug Grips um Zusammenhänge zu verstehen. Momentan nimmt er Lithium, Seroquel, Escitalopram und Zyprexa. Sein Körper verstoffwechselt teilweise sehr komisch, teilweise zu schnell was eine Erhöhung der Dosis zur Folge hat und dann wiederum passiert sowas wie letzte Woche, dass er eine Serotoninvergiftung hat und das Lithium erstmal für 2 Tage eingestellt werden muss.
Zusammen wohnen können wir für die nächsten Monate definitiv nicht, das möchte ich nicht mehr, denn dadurch dass er momentan einfach nicht arbeiten kann, kann ich wiederum nicht ständig für ihn da sein und will es auch nicht. Ihm fehlt es an Struktur, die er sich selber nicht geben kann, weil ihm alles schwer fällt.
Er war in psychotherapeutischer Behandlung, aber manchmal war der Weg dorthin für ihn zu viel - zu viele Menschen, zu viele Eindrücke, zu viel Lärm, zu viele Autos. Er ist da manchmal wie ein Mensch aus den Bergen, der mit allem überfordert ist.
Und ich, ich versuche mich auf mich zu konzentrieren, was nicht immer einfach ist und letztendlich dazu führte, dass ich gesagt habe, er müsse erstmal stationär gehen und dann in eine therapeutische WG, denn sonst würde meine Liebe zu ihm sterben. Weil ich Raum für mich brauche, für meine Kraft und für meine Seele.

Naja, also hallo erstmal!

LG Bastisbaby


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12.12.2017 19:32
#2
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hallo @bastisbaby

Herzlich willkommen bei uns, schön dass du hergefunden hast. Das ist jetzt sehr schwierig für deinen Freund, weil er auch noch eine Sucht dazu hat, also gleich 2 Baustellen, das Bipolar und der Alkohol. Stress ist meist ein Auslöser für Phasen. Wenn er den Alkohol bekämpfen kann, das ist momentan glaub ich das Wichtigste. Wenn seine Leber schon Schaden genommen hat und er jetzt so viele Medikamente nehmen soll, das ist auch nicht gut, weil die auch die Leber belasten, vor allem wenn es so viel auf einmal sind. Besser wäre, ein oder 2 Antidepressiva abzusetzen und nur das Medikament nehmen, was er wirklich braucht. Wahrscheinlich ist Lithium auch nicht gut für die Leber. Bei Medikamenten gilt manchmal: Weniger ist mehr.

viele Grüße
Bipolara

Homepage ohne www eingeben: draculara.de oder draculara.com

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14.12.2017 21:07 (zuletzt bearbeitet: 14.12.2017 21:09)
#3
ba

Hallo @Bipolara,
danke für deine Antwort!
Mein Partner hat das Suchtproblem zum Glück mittlerweile ziemlich gut im Griff, so dass hier momentan kein Handlungsbedarf seitens Klinik oder Arzt besteht. Mir ist bekannt, dass das ganz oft Thema bei bipolaren Menschen ist, oftmals bevor eine Diagnose gestellt wird. Was bei ihm nicht anders: Drogenkonsum jeglicher Art seit Teenageralter ab. Das Thema war zum Glück vom Tisch, als er dann seine damalige Frau kennen lernte. Leider kam dort aber eine Suchtverlagerung zum Alkohol, was er heute mit dem Abstand den er zu der Zeit hat, auch realisiert.
Im großen und ganzen befinden wir uns auf einem guten Weg. Ist halt nicht einfach mit jemandem der rapid cycling hat, denn da sind die Phasen teilweise in so schnellem Wechsel, dass ich nicht wusste, wann ist er wie drauf.
Aber derzeit ist er stabil und mir geht es durch den Abstand den wir haben auch besser. Man muss halt eben kleine Schritte gehen, die manchem Bipolaren schwer fallen, weil doch große schnelle Schritte viel toller sind... . So ist es bei meinem Partner zumindest... Ungeduldig mit sich und der Welt...


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24.08.2020 00:32
avatar  AnKa
#4
An

Schön, dass du dich so abgrenzen kannst. Mir fällt das im Moment sehr schwer. Mein Mann war ohne Medikamente 5 Jahre stabil, in dieser Zeit habe ich ihn kennengelernt und geheiratez. Dann auf einmal drogenrückfall mit Psychose. Seit dem ständiger Wechsel der Gefühle, Manie Depression. Eine depressive Phase ging 5 Monate. Seot ein paar Monaten sind die Phasen nicht mehr so extrem. Aber er ist trotzdem ein anderer Mensch als der den ich kennen lernte. Er nimmt jetzt Lithium und abilify um sich zu stabilisieren und endlich mal wieder arbeiten gehen zu können. Seot paar Monaten ist er auch clean. Trotzdem nicht mehr der alte und er hat auch keine Motivation die Techniken, die ihm stabil gehalten haben wieder anzuwenden. Am meisten macht mir die Gleichgültigkeit wie er unsere Beziehung sieht und der sexuelle drang mit anderen Frauen schlafen zu wollen zu schaffen. Ich existiere quasi nicht mehr.
Wir wollen zwar eine gemeinsame Therapie machen, aber ich fühle mich ihm so entfremdet. Habe Angst, dass wenn ich mich abgrenze, dass er sich dann von mir trennt.
Habe die letzten Monate viel für ihn gemacht und gekämpft und ich fühle mich etwas vor den Kopf gestoßen.
Zudem habe ich weder mit Drogen, noch mit psychischen Krankheiten Erfahrung. Habe mich jetzt aber viel eingelesen und weiß, dass bestimmte Verhaltensweisen zu der Krankheit gehören.
Habe aber manchmal das Gefühl das mein Mann das auch bisschen als ausrede benutzt. Er hat auch ein extrem geringes Bedürfnis nach Schlaf und macht teilweise 2 Nächte am Stück durch, was mir echt Angst macht, weil es die Symptome ja verschlechtert. Er nimmt das selbst aber nicht als negativ wahr.
Ich bin leider ziemlich an meiner Belastungsgrenze angelangt und Moment sind wir räumlich getrennt. Hilft mir aber gerade nur mäßig, weil ich mir trotzdem sorgen mache...


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25.09.2020 11:21
avatar  Ela
#5
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Ela

Herzlich Willkommen

VertrauDirSelbst, denn Du hast DEINE Selbstermächtigung = Selbstliebe in Dir.

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